VIRASANA UND MEDITATION

Vira bedeutet Held oder Krieger, Asana bedeutet Sitz oder Körperhaltung. Die Haltung Virasana beinhaltet eine Beugung im Kniegelenk sowie Flexibilität in den Fußgelenken, Oberschenkeln und Hüftbeugern. In diesem Monat lernen wir, wie wir diese Haltung sicher und ohne Beschwerden – eventuell unterstützt mit Hilfsmitteln – einnehmen können. Wenn wir durch die Hilfsmittel gelernt haben, wie wir uns von den vordergründigen Beschwerden in dieser Haltung befreien können und unseren Sitz eingenommen haben, bleiben wir ruhig sitzen. Virasana ist eine ideale Meditationshaltung, in der wir beginnen, die Dinge so wie sie sind wahrzunehmen. Auf diese Art und Weise beginnt der Held oder die Heldin, Frieden mit den Dingen zu schließen. Der Held oder die Heldin integriert jeden Juckreiz, jede mentale Fantasie, jeden eingeschlafenen Fuß und jedes Geräusch in die Praxis. Wir müssen nicht alles kontrollieren oder manipulieren, wir müssen nicht auf jeden Impuls aufspringen oder reagieren. In der Meditation lernen wir somit, die Dinge sein zu lassen und erfahren dadurch Raum und Frieden in uns. Es entsteht eine Lücke zwischen Impuls und Reaktion. Der Held oder die Heldin beginnt dabei immer bei sich selbst und geht dann mit diesem Gefühl von Raum und Frieden in die Welt.

Viel Glück!

SEQUENZ ZU EKA PADA GALAVASANA

Asanas/ Körperhaltungen als Vorbereitung dazu:

– Nadelöhr (Fussgelenk zu Oberschenkel)
– Gomukhasana (Kuhgesicht) in Rückenlage
– Bakasana (Krähe) in Rückenlage
– Kinderposition
– Katze /Bitilasana
– Chaturanga
– Krieger 3
– Bakasana (Krähe)
– Taube
– doppelte Taube
– Shalabhasana (Heuschrecke)
– Taube mit Drehung, Ellbogen un Fuss
– Eka Pada Galavasana

EKA PADA GALAVASANA UND GROSSZÜGIGKEIT

Es gibt Tage, an denen wir das Gefühl haben nicht genug für uns selbst zu bekommen, wir halten fest und werden eng. Dann gibt es wiederum Momente und Situationen, in denen wir uns öffnen und loslassen – unser Herz wird weich und weit. Grosszügig zu sein kann bedeuten, jemandem die Tür aufzuhalten, obwohl wir eigentlich dafür gerade keine Zeit haben. Ebenso kann es bedeuten, einer Person unsere Präsenz, unsere Aufmerksamkeit zu schenken oder beispielsweise einer hilfsbedürfigen Person Geld zu geben. Das Motto von Grosszügikeit ist „Jeder hat etwas zu geben.“

Eka Pada Galavasana ist eine Armbalance. Das vordere Bein befindet sich in einer Position wie bei der Taube, die Arme sind in der tiefen Liegestütz, während das hintere Bein sich nach oben und hinten verlängert. Eka heißt eins, Pada Bein und Galavan ist der Name eines Weisen. Wenn wir diese Haltung praktizieren und bemerken, dass wir fest und eng werden, können wir Grosszügigkeit anwenden, in dem wir zum Beispiel mehr Raum für den Atem geben oder uns vorstellen, dass eine komplexe Haltung wie Eka Pada Galavasana überhaupt möglich ist.

Grosszügigkeit zu kultivieren bedeutet, uns zu öffnen und loszulassen – jeder hat etwas anzubieten. Drei klassische Arten um Grosszügigkeit zu praktizieren sind: Erstens das Geschenk den eigenen Reichtum in uns wertzuschätzen. Die zweite Art der Grosszügigkeit ist das Geschenk der Furchtlosigkeit: Wir sitzen zum Beispiel im Flugzeug neben einer Person, die Flugangst hat und schenken ihr unsere volle Anwesenheit. Die dritte Art ist das Geschenk des Dharma: Wir wenden unsere Weisheit auf eine geerdete und hilfreiche Art und Weise im Alltag an.

Viel Glück!

AUFWÄRMSEQUENZ MIT DEM FOKUS AUF SCHULTER/NACKEN

Folgende Übungssequenz wärmt uns auf und löst Verspannungen im Schulter-Nacken-Bereich.

Sitze in Sukhasana/Svastikasana. Die Füsse sind geflext und die Schienbeine überkreuzt, ein wenig so als würdest Du in einer Box sitzen. Ich empfehle auf einem Yogablock oder einer Yogadecke zu sitzen.

A. Öffne die Arme zu den Seiten nach rechts und links und finde eine Extension in den Handgelenken, so dass die Fingerspitzen nach oben schauen. Breite die Arme zu den Seiten aus bis du deine Schulterblätter ganz flach am Rücken spürst. Nehme dann die Hände vor deinem Herz zusammen, verschränke die Finger und strecke die Handflächen nach oben über deinen Kopf. Atme ein und beuge deine Ellenbogen. Nehme die Handflächen – immer noch nach oben schauend – hinter deinen Kopf, die Ellbogen ziehen weg voneinander. Ausatmend strecke wieder die Arme lang. Wiederhole dies drei Mal.

Wenn du das nächste Mal die Ellbogen gebeugt hast, platziere deine Hände flach am Hinterkopf. Einatmend hebe deine Brust und dein Gesicht nach oben, ausatmend lass deine Ellbogen und dein Kinn sinken und strecke deinen Nacken und oberen Rücken. Wiederhole dies drei Mal.

Beim nächsten Einatmen strecke die Arme wieder lang nach oben. Ausatmend komm in eine Seitbeuge nach rechts, nimm die rechte Hand neben dir zum Boden und den linken Arm lang über den Kopf. Beuge dann den linken Arm und platziere die Hand zu deinem Hinterkopf. Einatmend roll deine Brust nach oben, ausatmend lass den Ellbogen sinken, lass dein Kinn sinken und dehne den Nacken in einer Diagonalen. Wiederhole dies drei mal.

Beim nächsten Ausatmen lehne dich über dein rechtes Bein in einer Diagonalen mit den Händen an den Seiten des Beines am Boden. Lass deinen Kopf hängen, die Schultern und Ellbogen lassen los. Beginne nun auf den Fingerkuppen nach vorne zu laufen, roll Wirbel für Wirbel nach oben. Dann wechsle die Überkreuzung deiner Beine und beginne mit der zweiten Seite.

B. Wenn Du die Sequenz auf beiden Seiten praktiziert hast und in der Vorbeuge angekommen bist, verschränke deine Finger hinter deinem Rücken. Hebe die Arme mehr von den Schultern, weniger von den Händen. Einatmend komm nach oben zum Sitzen und führe dabei die Hände hinter dir so hoch wie es Dir möglich ist. Mit einer Einatmung beuge die Ellbogen und nehme deine zweihändige Faust um deine rechte Hüfte. Sitze aufrecht und atme ein, beim Ausatmen dreh dich nach links. Die Ellbogen bewegen sich hinter Deinem Rücken leicht zueinander. Einatmend komm zurück zur Mitte, strecke die Arme lang nach hinten und ausatmend nimm die verschränkten Hände nun um die linke Hüfte. Einatmend richte dich auf, beim Ausatmen dreh dich zur anderen Seite nach rechts.

Einatmen zurück zur Mitte mit den verschränkten Armen hinter dir. Beim nächsten Ausatmen löse den Griff und umarme dich selbst, und krabble mit den Fingern hinter dem Rücken so dicht zueinander wie möglich. Mit dieser Umarmung kreise deinen Oberkörper, Arme und Kopf drei mal in eine Richtung. Wieder in der Mitte angekommen, behalte die Arme überkreuzt und komm in die adlerähnlichen Arme (Garuda-Arme) mit den Handrücken oder Handflächen zusammen. Beim Einatmen hebe Deine Arme und den Blick, ausatmend lass die Arme sinken und beuge dich etwas nach vorne. Wiederhole dies drei mal.

Zurück in der Mitte bewege dann die Hände und Unterarme in der Garuda-Haltung leicht nach rechts und links. Die Ellbogen bleiben dabei möglichst vor der Körpermitte, während nur die Unterarme die kleine Bewegung nach rechts und links ausführen. Abschliessend strecke langsam die Arme nach oben und löse den Griff. Lass die Hände auf den Oberschenkeln landen und schliess deine Augen. Fühle was du fühlst.

Öffne die Augen und wiederhole den B-Teil der Sequenz auf der zweiten Seite.

SHIRSHASANA UND ENTSPANNE DICH IN DEINE KLESHAS

Shirsha heisst Kopf und Asana Sitz oder Haltung. Wenn wir Shirshasana, den Kopfstand, ausüben, mögen wir bei uns eine der zwei folgenden Reaktionen bemerken: Entweder lehnen wir das Asana ab, bevor wir überhaupt damit begonnen haben es auszuüben. Oder wir wollen schnellstmöglich in die Position gelangen und überspringen die vorbereitenden Schritte. Beide Reaktionen – Ablehnung und Verlangen – sind gewohnheitmässige Reaktionen, die der Yoga zu den Kleshas zählt. Kleshas sind schmerzhafte Emotionen, sie geben uns das Gefühl, als wäre unser Geist ausser Kontrolle, als würden wir am Haken einer starken Emotion zappeln. Traditionell treten Kleshas hauptsächlich auf fünf Arten in Erscheinung: Unwissenheit oder Vorurteil, Leidenschaft oder Anhaftung, Ablehnung oder Aversion, Stolz oder Identifizierung und Furcht oder starke Unsicherheit. Wir alle haben schon Erfahrungen mit diesen Gefühlen gemacht und kennen die schmerzhafte Empfindung an ihnen festzuhaften; sie können uns förmlich lähmen.

Der erste Schritt mit den Kleshas umzugehen, ist sie wahrzunehmen wann immer sie auftauchen. Wir trainieren, unsere Gedanken nicht in „schlecht“ oder „gut“ einzuteilen, sondern auf mitfühlende Art und Weise anzuerkennen was ist. Mit Ehrlichkeit und Sanftheit erkennen wir an was geschieht. Auch wenn uns dies nicht immer gelingen mag, werden wir mit der Zeit entdecken, dass wir anders agieren können als wir es gewöhnlich tun. Wir müssen unseren verstrickten Emotionen nicht auf den Leim gehen und sie gewohnheitsmässig ausleben oder unterdrücken. Stattdessen bemerken wir, wenn wir fest werden und lassen los. Wenn wir unsere Kleshas nicht als schlecht bewerten und ihre Substanzlosigkeit sehen, können wir uns in sie hineinentspannen und sie verlieren ihre zerstörerische Kraft. Wir entdecken, dass sie voller Wachheit und Weisheit stecken.

Viel Glück!

SVARGA DVIJASANA UND „TAKE A FRESH START“

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In seiner äußeren Form erinnert das Asana an die Paradiesvogelblume, auch Königs-Strelizie oder Papageienblume genannt, die in diesem Asana nachgeahmt wird. In seiner inneren Bedeutung steht das Bild der Blume für Wachstum und Erneuerung. Während Svarga Himmel oder Paradies bedeutet, hat Dvija zwei Bedeutungen: zwei-mal-geboren oder auch Vogel. Vögel werden zwei mal geboren, zuerst als Ei und dann als Vogel.

„Take a fresh start“ ist ein Begriff aus der Meditationstradition. Damit ist der Moment gemeint, wenn man nach einer längeren Zeit des Sitzens eine Pause nimmt, um den Geist zu erfrischen, da er nicht länger das Objekt der Meditation halten kann. Der Wechsel von einem fokusierten Geist zu einem Geist ohne Fokus ist eine menschliche Notwendigkeit. Wir können nicht nur in jedem Moment frisch beginnen, sondern jeder Moment ist an sich frisch. Praktisch angewendet, hören wir mit dem auf, was wir gerade tun. Wir steigen aus, schauen wo wir gerade sind und beginnen wieder neu. Wir hören zum Beipsiel auf zu meditieren oder mit dem Arbeiten am Computer, verbinden uns erneut mit unserem Atem und bemerken die Lebendigkeit unseres Menschseins. Das ist ein Moment wie Frühlingsluft, die zum ersten mal durch das Fenster strömt oder wie eine Blume, die im Augenblick unserer Betrachtung ihre Blüten öffnet.

Viel Glück!

HERZÖFFNER UND „IN VERBINDUNG TRETEN“

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In diesem Monat stehen Körperhaltungen im Fokus, die unseren Herz- und Schulterbereich öffnen. In diesem Körperbereich besteht häufig eine konditionierte Panzerung, eine Festigkeit, die uns förmlich erstarren lässt. Dabei fühlt sich unser Brustkorb eher wie ein „Kasten“ und weniger wie ein beweglicher „Korb“ an. Vielleicht haben wir auch das Gefühl, dass unser Herz eingesperrt ist. Das dynamische Zusammenspiel von Brustkorb und Atem ist verschwunden, der Atem ist flach und eingeengt. In solch einer Situation fällt es uns schwer, uns mit uns und unserem Fühlen wirklich zu verbinden. Das Sanskritwort Yoga heisst „Verbinden“, es bedeutet, in Beziehung mit etwas zu treten. Wenn wir uns mit der Welt und den Menschen in unserem Alltag verbinden wollen, beginnt dies stets bei uns selbst. Wenn wir uns selbst fühlen, können wir auch andere fühlen und mit ihnen und unserer Welt in Kontakt treten. Durch seitliche Dehnungen, Drehungen und insbesondere durch Rückbeugen machen wir unseren Brustkorb beweglicher, lösen Spannungen auf und treten in eine authentische Verbindung mit uns selbst und anderen.

Viel Glück!

Parivritta Ardha Chandrasana und „Sei eine leere Tasse“

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Parivritta bedeutet gedreht, Ardha halb, Chandra ist der Mond und Asana der Sitz oder die Körperhaltung.

Der Halbmond (Ardha Chandrasana) sowie sein Zwilling, der gedrehte Halbmond (Parivritta Ardha Chandrasana), stehen für die Mitte zwischen Fülle und Leere des Mondes. Beide Haltungen erfordern eine stabile Erdung im Standbein sowie eine Leichtigkeit im Oberkörper. Was benötigen wir außerdem für das Ausüben des gedrehten Halbmondes? Können wir unsere Neugierde einsetzen beim Erforschen dieser komplexen Standhaltung? Am Anfang eines neuen Jahres sowie in jedem einzelnen Moment im Verlauf des Jahres haben wir die Möglichkeit, neu und frisch an die Dinge heranzugehen. „Des Anfängers Geist hat viele Möglichkeiten, der des Experten nur wenige“, sagt der Zen-Mönch Suzuki Roshi. Folgende klassische Geschichte beschreibt mit anderen Worten den Anfängergeist:

Ein Professor ging zu einem Zen-Mönch, um Belehrungen zu erhalten. Er stellte sich mit all seinen akademischen Titeln vor und bat den Mönch um Belehrung. Der Mönch fragte: „Möchtest du etwas Tee trinken?“ Der Professor: „Ja, gerne“. Daraufhin schenkte der Mönch dem Professor Tee ein. Die Tasse war voll, aber der alte Mönch schenkte weiter ein, bis der Tee überfloss und über den Tisch auf den Boden tropfte. Der Professor sagte: „Stop, sehen Sie nicht, dass die Tasse bereits voll ist? Es geht nichts mehr hinein.“ Der Mönch antwortete: „Genau wie diese Tasse sind auch Sie voll von Ihrem Wissen und Ihren Meinungen. Um Neues zu lernen, müssen Sie erst ihre Tasse leeren.“

Viel Glück!