Ushtrasana und Tugenden

Das Sanskritwort Ushtra bedeutet Kamel und Asana bedeutet Sitz oder „zu sitzen mit“. Ein Kamel kniet nieder, um sich von der Last des Gepäcks oder der Personen auf seinem Rücken zu befreien. Wenn wir uns in Ushtrasana im Kniestand nach hinten lehnen, können wir das Bild von der Erleicherung und Wohltat des Kamels aufgreifen, als würden wir eine Last von unseren Schultern nehmen.

Dabei können uns yogische Tugenden wie Ahimsa, Abhaya und Satya unterstützen: Ahimsa, das Nichtanwenden von Gewalt, lässt uns Freundlichkeit uns selbst gegenüber kultivieren, wodurch wir achtsam und sorgsam in die Haltung gehen. Abhaya oder Furchtlosigkeit gibt uns die Zuversicht, dass wir uns überhaupt trauen, diese Haltung einzunehmen. Satya, was soviel wie Ehrlichkeit oder Wahrhaftigkeit bedeutet, lässt uns klar und deutlich unsere Möglichkeiten sowie gleichzeitig unsere Begrenzungen sehen.

Jede dieser Tugenden ist eine Erinnerung an unsere natürliche Gutheit, in die wir uns mehr und mehr hineinentspannen.

Viel Glück!

Schritt für Schritt in Umkehrhaltungen & Armbalancen

Umkehrhaltungen und Armbalancen sind Asanagruppen, die uns mentalen Fokus und Zuversicht geben – sie können uns aber auch verunsichern und Furcht einflößen. Oft sind wir fixiert auf die Endhaltung oder ein Endergebnis und ignorieren die vielen kleinen essentiellen Schritte auf dem Weg dorthin. Wenn wir jedoch Schritt für Schritt an die Asanas herangehen, zeigt sich unsere Yogapraxis als ein Prozess – ein Prozess in dem wir wichtige technische Details über die Haltungen, über uns und unsere Handlungsweise erfahren. Wir betrachten das Vinyasa, den Übergang zwischen den Asanas, als ebenso wichtig und wertvoll wie die Position selbst. Durch diesen Prozess von Entschleunigung und Bewußtwerdung über wir Achtsamkeit und Aggressionslosigkeit. Dadurch schärfen wir unsere Intelligenz und wenden geschickte Mittel an.

Viel Glück!

Ardha Chandra Chapasana und Standfestigkeit

Ardha heisst halb, chandra Mond, chapa Bogen und asana Körperhaltung, Sitz oder zu sitzen mit etwas.

Das erste was wir tun, wenn wir eine Asana einnehmen, ist den Körper zu organisieren: In Ardha Chandra Chapasana beispielsweise erden wir den Standbeinfuss, drehen das Standbein in die Aussenrotation, schaffen Länge in der Wirbelsäule und drücken den oberen Fuss in die Hand, um die Rückbeuge entstehen zu lassen. Als nächstes warten wir ab, um zu sehen, was in der Haltung auftaucht: Es mag nicht lange dauern, bis die Beine beginnen zu zittern oder wir Furcht haben umzufallen. Anstelle uns nun eine unterhaltsame Geschichte zu erzählen, bleiben wir einfach bei bei der Erfahrung. Was auch immer sich zeigen mag, wir bleiben einfach bei der jetzigen Erfahrung. Allem gegenüber offen zu sein bedeutet Standhaftigkeit und Loyalität uns selbst gegenüber zu kultivieren. Wir geben uns selbst die Erlaubnis, genau das zu erfahren, was im jeweiligen Augenblick geschieht. Das ist alles was wir hier machen. Dadurch beginnen wir, uns selbst auszuhalten, mit uns Freundschaft zu schliessen und uns jeglicher Erfahrung im Leben zu öffnen.

Viel Glück!

Bakasana und Ausrichtung

 

 

 

Das Sanskritwort Baka wird meist mit Krähe, manchmal auch mit Kranich übersetzt. Asana heisst Haltung oder Sitz.

Viele denken, dass Armbalancen mit viel Kraft und Anstrengung verbunden sein müssen. Stattdessen können wir durch das Ordnen der Architektur unseres Körpers – einer klaren Ausrichtung von Muskeln, Knochen und Gelenken – eine Ausgeglichenheit in Körper, Geist und Herz erfahren. Niemand möchte beim Praktizieren von Bakasana flach auf die Nase fallen und sich ein blaues Auge oder einen Knacks im Ego holen. Ausrichtung ist die bewusste Wahrnehmung, dass und wie mindestens zwei Dinge zusammenhängen und miteinander verbunden sind. Es geht bei Ausrichtung immer um Beziehung. Wir richten unseren Körper so aus, dass die Energie im Körper ungehindert fliessen kann. Neben der phyischen und energetischen Ausrichtung kultivieren wir auch eine mentale Ausrichtung, indem wir die Intention unseres Geistes und Herzens mit unserer Handlung, der Aktion unseres Körpers, abgleichen.

Viel Glück für 2018!

PARIVRITTA JANU SHIRSASANA UND KOPF UND HERZ

Parivritta heisst gedreht oder gewendet, Janu heisst Knie, Shirsa heisst Kopf, und Asana bedeutet Sitz oder Körperhaltung. Parivritta Janu Shirsasana ist eine sitzende Position, in der wir die Hüfte öffnen, den Oberkörper zur Seite neigen, uns drehen und gleichzeitig die obere Schulter öffnen. Die Drehung verjüngt die Wirbelsäule, die Seitbeuge vertieft die Atemkapazität. In Parivritta Janu Shirsasana finden wir mit jeder Einatmung Streckung (Extension) in der Wirbelsäule, während wir mit jeder Ausatmung in die Weite expandieren (Expansion). B.K.S. Iyengar sagt, dass Extension eine Bewegung aus der Intelligenz des Gehirns ist, während Expansion eine Bewegung aus der Intelligenz unseres Herzens ist. Damit unsere Praxis nicht alleine in Kopf und Körper stecken bleibt, brauchen wir beide Bewegungen: aus dem Kopf und aus dem Herzen. Dadurch kann eine tiefgründige und wahrhaftige Praxis entstehen.

Viel Glück!

USHTRASANA UND PRANAYAMA

Ushtra heisst Kamel und Asana bedeutet Sitz oder Körperhaltung. In Ushtrasana neigen wir uns mit unserem Oberkörper nach hinten. Da wir hinten keine Augen haben, kann sich Angst zeigen, uns nach hinten zu beugen. Wenn wir Angst haben, halten wir meist den Atem an und unser Zwerchfell verspannt sich. Hier kann Pranayama dienlich sein. Das Sanskritwort Prana heisst so viel wie Lebenshauch oder Lebensenergie. Und Ayama bedeutet verlängern oder ausdehnen. Pranayama meint also die Ausdehnung oder Verlängerung unserer Lebensenergie.

Alle Rückbeugen, wie auch Ushtrasana, sind eine ideale Vorbereitung für Pranayamaübungen. In diesen Haltungen wird der Brustkorb geweitet, die Zwischenrippenmuskulatur aufgefächert und das Zwerchfell dehnt sich auf. Gleichzeitig unterstützen gezielte Atemübungen Ushtrasana vorzubereiten, so dass wir mit weniger Angst, mehr Vertrauen und einem vollen Atem das Asana ausüben können.

Viel Glück!

VIRASANA UND MEDITATION

Vira bedeutet Held oder Krieger, Asana bedeutet Sitz oder Körperhaltung. Die Haltung Virasana beinhaltet eine Beugung im Kniegelenk sowie Flexibilität in den Fußgelenken, Oberschenkeln und Hüftbeugern. In diesem Monat lernen wir, wie wir diese Haltung sicher und ohne Beschwerden – eventuell unterstützt mit Hilfsmitteln – einnehmen können. Wenn wir durch die Hilfsmittel gelernt haben, wie wir uns von den vordergründigen Beschwerden in dieser Haltung befreien können und unseren Sitz eingenommen haben, bleiben wir ruhig sitzen. Virasana ist eine ideale Meditationshaltung, in der wir beginnen, die Dinge so wie sie sind wahrzunehmen. Auf diese Art und Weise beginnt der Held oder die Heldin, Frieden mit den Dingen zu schließen. Der Held oder die Heldin integriert jeden Juckreiz, jede mentale Fantasie, jeden eingeschlafenen Fuß und jedes Geräusch in die Praxis. Wir müssen nicht alles kontrollieren oder manipulieren, wir müssen nicht auf jeden Impuls aufspringen oder reagieren. In der Meditation lernen wir somit, die Dinge sein zu lassen und erfahren dadurch Raum und Frieden in uns. Es entsteht eine Lücke zwischen Impuls und Reaktion. Der Held oder die Heldin beginnt dabei immer bei sich selbst und geht dann mit diesem Gefühl von Raum und Frieden in die Welt.

Viel Glück!

EKA PADA GALAVASANA UND GROSSZÜGIGKEIT

Es gibt Tage, an denen wir das Gefühl haben nicht genug für uns selbst zu bekommen, wir halten fest und werden eng. Dann gibt es wiederum Momente und Situationen, in denen wir uns öffnen und loslassen – unser Herz wird weich und weit. Grosszügig zu sein kann bedeuten, jemandem die Tür aufzuhalten, obwohl wir eigentlich dafür gerade keine Zeit haben. Ebenso kann es bedeuten, einer Person unsere Präsenz, unsere Aufmerksamkeit zu schenken oder beispielsweise einer hilfsbedürfigen Person Geld zu geben. Das Motto von Grosszügikeit ist „Jeder hat etwas zu geben.“

Eka Pada Galavasana ist eine Armbalance. Das vordere Bein befindet sich in einer Position wie bei der Taube, die Arme sind in der tiefen Liegestütz, während das hintere Bein sich nach oben und hinten verlängert. Eka heißt eins, Pada Bein und Galavan ist der Name eines Weisen. Wenn wir diese Haltung praktizieren und bemerken, dass wir fest und eng werden, können wir Grosszügigkeit anwenden, in dem wir zum Beispiel mehr Raum für den Atem geben oder uns vorstellen, dass eine komplexe Haltung wie Eka Pada Galavasana überhaupt möglich ist.

Grosszügigkeit zu kultivieren bedeutet, uns zu öffnen und loszulassen – jeder hat etwas anzubieten. Drei klassische Arten um Grosszügigkeit zu praktizieren sind: Erstens das Geschenk den eigenen Reichtum in uns wertzuschätzen. Die zweite Art der Grosszügigkeit ist das Geschenk der Furchtlosigkeit: Wir sitzen zum Beispiel im Flugzeug neben einer Person, die Flugangst hat und schenken ihr unsere volle Anwesenheit. Die dritte Art ist das Geschenk des Dharma: Wir wenden unsere Weisheit auf eine geerdete und hilfreiche Art und Weise im Alltag an.

Viel Glück!

SHIRSHASANA UND ENTSPANNE DICH IN DEINE KLESHAS

Shirsha heisst Kopf und Asana Sitz oder Haltung. Wenn wir Shirshasana, den Kopfstand, ausüben, mögen wir bei uns eine der zwei folgenden Reaktionen bemerken: Entweder lehnen wir das Asana ab, bevor wir überhaupt damit begonnen haben es auszuüben. Oder wir wollen schnellstmöglich in die Position gelangen und überspringen die vorbereitenden Schritte. Beide Reaktionen – Ablehnung und Verlangen – sind gewohnheitmässige Reaktionen, die der Yoga zu den Kleshas zählt. Kleshas sind schmerzhafte Emotionen, sie geben uns das Gefühl, als wäre unser Geist ausser Kontrolle, als würden wir am Haken einer starken Emotion zappeln. Traditionell treten Kleshas hauptsächlich auf fünf Arten in Erscheinung: Unwissenheit oder Vorurteil, Leidenschaft oder Anhaftung, Ablehnung oder Aversion, Stolz oder Identifizierung und Furcht oder starke Unsicherheit. Wir alle haben schon Erfahrungen mit diesen Gefühlen gemacht und kennen die schmerzhafte Empfindung an ihnen festzuhaften; sie können uns förmlich lähmen.

Der erste Schritt mit den Kleshas umzugehen, ist sie wahrzunehmen wann immer sie auftauchen. Wir trainieren, unsere Gedanken nicht in „schlecht“ oder „gut“ einzuteilen, sondern auf mitfühlende Art und Weise anzuerkennen was ist. Mit Ehrlichkeit und Sanftheit erkennen wir an was geschieht. Auch wenn uns dies nicht immer gelingen mag, werden wir mit der Zeit entdecken, dass wir anders agieren können als wir es gewöhnlich tun. Wir müssen unseren verstrickten Emotionen nicht auf den Leim gehen und sie gewohnheitsmässig ausleben oder unterdrücken. Stattdessen bemerken wir, wenn wir fest werden und lassen los. Wenn wir unsere Kleshas nicht als schlecht bewerten und ihre Substanzlosigkeit sehen, können wir uns in sie hineinentspannen und sie verlieren ihre zerstörerische Kraft. Wir entdecken, dass sie voller Wachheit und Weisheit stecken.

Viel Glück!

SVARGA DVIJASANA UND „TAKE A FRESH START“

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In seiner äußeren Form erinnert das Asana an die Paradiesvogelblume, auch Königs-Strelizie oder Papageienblume genannt, die in diesem Asana nachgeahmt wird. In seiner inneren Bedeutung steht das Bild der Blume für Wachstum und Erneuerung. Während Svarga Himmel oder Paradies bedeutet, hat Dvija zwei Bedeutungen: zwei-mal-geboren oder auch Vogel. Vögel werden zwei mal geboren, zuerst als Ei und dann als Vogel.

„Take a fresh start“ ist ein Begriff aus der Meditationstradition. Damit ist der Moment gemeint, wenn man nach einer längeren Zeit des Sitzens eine Pause nimmt, um den Geist zu erfrischen, da er nicht länger das Objekt der Meditation halten kann. Der Wechsel von einem fokusierten Geist zu einem Geist ohne Fokus ist eine menschliche Notwendigkeit. Wir können nicht nur in jedem Moment frisch beginnen, sondern jeder Moment ist an sich frisch. Praktisch angewendet, hören wir mit dem auf, was wir gerade tun. Wir steigen aus, schauen wo wir gerade sind und beginnen wieder neu. Wir hören zum Beipsiel auf zu meditieren oder mit dem Arbeiten am Computer, verbinden uns erneut mit unserem Atem und bemerken die Lebendigkeit unseres Menschseins. Das ist ein Moment wie Frühlingsluft, die zum ersten mal durch das Fenster strömt oder wie eine Blume, die im Augenblick unserer Betrachtung ihre Blüten öffnet.

Viel Glück!