VIRASANA UND MEDITATION

Vira bedeutet Held oder Krieger, Asana bedeutet Sitz oder Körperhaltung. Die Haltung Virasana beinhaltet eine Beugung im Kniegelenk sowie Flexibilität in den Fußgelenken, Oberschenkeln und Hüftbeugern. In diesem Monat lernen wir, wie wir diese Haltung sicher und ohne Beschwerden – eventuell unterstützt mit Hilfsmitteln – einnehmen können. Wenn wir durch die Hilfsmittel gelernt haben, wie wir uns von den vordergründigen Beschwerden in dieser Haltung befreien können und unseren Sitz eingenommen haben, bleiben wir ruhig sitzen. Virasana ist eine ideale Meditationshaltung, in der wir beginnen, die Dinge so wie sie sind wahrzunehmen. Auf diese Art und Weise beginnt der Held oder die Heldin, Frieden mit den Dingen zu schließen. Der Held oder die Heldin integriert jeden Juckreiz, jede mentale Fantasie, jeden eingeschlafenen Fuß und jedes Geräusch in die Praxis. Wir müssen nicht alles kontrollieren oder manipulieren, wir müssen nicht auf jeden Impuls aufspringen oder reagieren. In der Meditation lernen wir somit, die Dinge sein zu lassen und erfahren dadurch Raum und Frieden in uns. Es entsteht eine Lücke zwischen Impuls und Reaktion. Der Held oder die Heldin beginnt dabei immer bei sich selbst und geht dann mit diesem Gefühl von Raum und Frieden in die Welt.

Viel Glück!

EKA PADA GALAVASANA UND GROSSZÜGIGKEIT

Es gibt Tage, an denen wir das Gefühl haben nicht genug für uns selbst zu bekommen, wir halten fest und werden eng. Dann gibt es wiederum Momente und Situationen, in denen wir uns öffnen und loslassen – unser Herz wird weich und weit. Grosszügig zu sein kann bedeuten, jemandem die Tür aufzuhalten, obwohl wir eigentlich dafür gerade keine Zeit haben. Ebenso kann es bedeuten, einer Person unsere Präsenz, unsere Aufmerksamkeit zu schenken oder beispielsweise einer hilfsbedürfigen Person Geld zu geben. Das Motto von Grosszügikeit ist „Jeder hat etwas zu geben.“

Eka Pada Galavasana ist eine Armbalance. Das vordere Bein befindet sich in einer Position wie bei der Taube, die Arme sind in der tiefen Liegestütz, während das hintere Bein sich nach oben und hinten verlängert. Eka heißt eins, Pada Bein und Galavan ist der Name eines Weisen. Wenn wir diese Haltung praktizieren und bemerken, dass wir fest und eng werden, können wir Grosszügigkeit anwenden, in dem wir zum Beispiel mehr Raum für den Atem geben oder uns vorstellen, dass eine komplexe Haltung wie Eka Pada Galavasana überhaupt möglich ist.

Grosszügigkeit zu kultivieren bedeutet, uns zu öffnen und loszulassen – jeder hat etwas anzubieten. Drei klassische Arten um Grosszügigkeit zu praktizieren sind: Erstens das Geschenk den eigenen Reichtum in uns wertzuschätzen. Die zweite Art der Grosszügigkeit ist das Geschenk der Furchtlosigkeit: Wir sitzen zum Beispiel im Flugzeug neben einer Person, die Flugangst hat und schenken ihr unsere volle Anwesenheit. Die dritte Art ist das Geschenk des Dharma: Wir wenden unsere Weisheit auf eine geerdete und hilfreiche Art und Weise im Alltag an.

Viel Glück!

SHIRSHASANA UND ENTSPANNE DICH IN DEINE KLESHAS

Shirsha heisst Kopf und Asana Sitz oder Haltung. Wenn wir Shirshasana, den Kopfstand, ausüben, mögen wir bei uns eine der zwei folgenden Reaktionen bemerken: Entweder lehnen wir das Asana ab, bevor wir überhaupt damit begonnen haben es auszuüben. Oder wir wollen schnellstmöglich in die Position gelangen und überspringen die vorbereitenden Schritte. Beide Reaktionen – Ablehnung und Verlangen – sind gewohnheitmässige Reaktionen, die der Yoga zu den Kleshas zählt. Kleshas sind schmerzhafte Emotionen, sie geben uns das Gefühl, als wäre unser Geist ausser Kontrolle, als würden wir am Haken einer starken Emotion zappeln. Traditionell treten Kleshas hauptsächlich auf fünf Arten in Erscheinung: Unwissenheit oder Vorurteil, Leidenschaft oder Anhaftung, Ablehnung oder Aversion, Stolz oder Identifizierung und Furcht oder starke Unsicherheit. Wir alle haben schon Erfahrungen mit diesen Gefühlen gemacht und kennen die schmerzhafte Empfindung an ihnen festzuhaften; sie können uns förmlich lähmen.

Der erste Schritt mit den Kleshas umzugehen, ist sie wahrzunehmen wann immer sie auftauchen. Wir trainieren, unsere Gedanken nicht in „schlecht“ oder „gut“ einzuteilen, sondern auf mitfühlende Art und Weise anzuerkennen was ist. Mit Ehrlichkeit und Sanftheit erkennen wir an was geschieht. Auch wenn uns dies nicht immer gelingen mag, werden wir mit der Zeit entdecken, dass wir anders agieren können als wir es gewöhnlich tun. Wir müssen unseren verstrickten Emotionen nicht auf den Leim gehen und sie gewohnheitsmässig ausleben oder unterdrücken. Stattdessen bemerken wir, wenn wir fest werden und lassen los. Wenn wir unsere Kleshas nicht als schlecht bewerten und ihre Substanzlosigkeit sehen, können wir uns in sie hineinentspannen und sie verlieren ihre zerstörerische Kraft. Wir entdecken, dass sie voller Wachheit und Weisheit stecken.

Viel Glück!

SVARGA DVIJASANA UND „TAKE A FRESH START“

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In seiner äußeren Form erinnert das Asana an die Paradiesvogelblume, auch Königs-Strelizie oder Papageienblume genannt, die in diesem Asana nachgeahmt wird. In seiner inneren Bedeutung steht das Bild der Blume für Wachstum und Erneuerung. Während Svarga Himmel oder Paradies bedeutet, hat Dvija zwei Bedeutungen: zwei-mal-geboren oder auch Vogel. Vögel werden zwei mal geboren, zuerst als Ei und dann als Vogel.

„Take a fresh start“ ist ein Begriff aus der Meditationstradition. Damit ist der Moment gemeint, wenn man nach einer längeren Zeit des Sitzens eine Pause nimmt, um den Geist zu erfrischen, da er nicht länger das Objekt der Meditation halten kann. Der Wechsel von einem fokusierten Geist zu einem Geist ohne Fokus ist eine menschliche Notwendigkeit. Wir können nicht nur in jedem Moment frisch beginnen, sondern jeder Moment ist an sich frisch. Praktisch angewendet, hören wir mit dem auf, was wir gerade tun. Wir steigen aus, schauen wo wir gerade sind und beginnen wieder neu. Wir hören zum Beipsiel auf zu meditieren oder mit dem Arbeiten am Computer, verbinden uns erneut mit unserem Atem und bemerken die Lebendigkeit unseres Menschseins. Das ist ein Moment wie Frühlingsluft, die zum ersten mal durch das Fenster strömt oder wie eine Blume, die im Augenblick unserer Betrachtung ihre Blüten öffnet.

Viel Glück!

HERZÖFFNER UND „IN VERBINDUNG TRETEN“

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In diesem Monat stehen Körperhaltungen im Fokus, die unseren Herz- und Schulterbereich öffnen. In diesem Körperbereich besteht häufig eine konditionierte Panzerung, eine Festigkeit, die uns förmlich erstarren lässt. Dabei fühlt sich unser Brustkorb eher wie ein „Kasten“ und weniger wie ein beweglicher „Korb“ an. Vielleicht haben wir auch das Gefühl, dass unser Herz eingesperrt ist. Das dynamische Zusammenspiel von Brustkorb und Atem ist verschwunden, der Atem ist flach und eingeengt. In solch einer Situation fällt es uns schwer, uns mit uns und unserem Fühlen wirklich zu verbinden. Das Sanskritwort Yoga heisst „Verbinden“, es bedeutet, in Beziehung mit etwas zu treten. Wenn wir uns mit der Welt und den Menschen in unserem Alltag verbinden wollen, beginnt dies stets bei uns selbst. Wenn wir uns selbst fühlen, können wir auch andere fühlen und mit ihnen und unserer Welt in Kontakt treten. Durch seitliche Dehnungen, Drehungen und insbesondere durch Rückbeugen machen wir unseren Brustkorb beweglicher, lösen Spannungen auf und treten in eine authentische Verbindung mit uns selbst und anderen.

Viel Glück!

Parivritta Ardha Chandrasana und „Sei eine leere Tasse“

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Parivritta bedeutet gedreht, Ardha halb, Chandra ist der Mond und Asana der Sitz oder die Körperhaltung.

Der Halbmond (Ardha Chandrasana) sowie sein Zwilling, der gedrehte Halbmond (Parivritta Ardha Chandrasana), stehen für die Mitte zwischen Fülle und Leere des Mondes. Beide Haltungen erfordern eine stabile Erdung im Standbein sowie eine Leichtigkeit im Oberkörper. Was benötigen wir außerdem für das Ausüben des gedrehten Halbmondes? Können wir unsere Neugierde einsetzen beim Erforschen dieser komplexen Standhaltung? Am Anfang eines neuen Jahres sowie in jedem einzelnen Moment im Verlauf des Jahres haben wir die Möglichkeit, neu und frisch an die Dinge heranzugehen. „Des Anfängers Geist hat viele Möglichkeiten, der des Experten nur wenige“, sagt der Zen-Mönch Suzuki Roshi. Folgende klassische Geschichte beschreibt mit anderen Worten den Anfängergeist:

Ein Professor ging zu einem Zen-Mönch, um Belehrungen zu erhalten. Er stellte sich mit all seinen akademischen Titeln vor und bat den Mönch um Belehrung. Der Mönch fragte: „Möchtest du etwas Tee trinken?“ Der Professor: „Ja, gerne“. Daraufhin schenkte der Mönch dem Professor Tee ein. Die Tasse war voll, aber der alte Mönch schenkte weiter ein, bis der Tee überfloss und über den Tisch auf den Boden tropfte. Der Professor sagte: „Stop, sehen Sie nicht, dass die Tasse bereits voll ist? Es geht nichts mehr hinein.“ Der Mönch antwortete: „Genau wie diese Tasse sind auch Sie voll von Ihrem Wissen und Ihren Meinungen. Um Neues zu lernen, müssen Sie erst ihre Tasse leeren.“

Viel Glück!

Shirshasana und be a yogi be on time

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Die Qualität unserer Beziehungen zu anderen sind die Früchte unserer Yogapraxis. In diesem Zusammenhang ist es nicht wichtig, wie hoch wir unser Bein bekommen, wie tief wir in eine Rückbeuge gehen oder wie lange wir auf unserem Kopf stehen können. Vor diesem Hintergrund thematisieren wir in diesem Monat das Gewahrsein, die Wertschätzung und den Respekt füreinander.
Die Asana des Monats ist Shirshasana. Shirsha bedeutet Kopf und Asana bedeutet Haltung oder Sitz. Obwohl der Kopfstand zu den bekanntesten und wichtigsten Asanas im Yoga zählt, fehlt uns manchmal das Wissen oder auch das Vertrauen in diese Umkehrhaltung. Wir widmen uns Shirshasana mit der Absicht, mehr Verständnis, Vertrauen und Achtsamkeit zu gewinnen. Dabei gestaltet die Organisation, wie wir in diese anspruchsvolle Haltung gehen und wie wir unseren Praxisplatz organisieren, den Rahmen unserer Praxis.
Jede Yogastunde braucht einen geschützten Raum, einen Ort, wo wir uns aufgehoben und sicher fühlen. Wenn so ein „Container“, ein Mandala, kreiert wird, kann sich Sicherheit und Vertrauen zeigen. Schon der Moment des Betretens eines Yogastudios gibt uns die Möglichkeit, Achtsamkeit uns selbst und anderen gegenüber zu kultivieren. Wir gönnen uns den Luxus, rechtzeitig anzukommen: be a yogi be on time. So haben wir genug Zeit, um Geschäftliches abzuschließen, uns umzuziehen, unsere Matte auszurollen und Hilfsmittel zu organisieren. Wir kommen an unserem Platz und bei uns selber an.
Letztendlich öffnen wir unser Herz durch Yoga mehr und mehr. In dieser Ruhe und Klarheit gelingt auch ein Asana wie Shirshasana leichter.

Viel Glück!

DER ILIOPSOAS UND FESTHALTEN UND LOSLASSEN

Asana des Monats November 2016

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Der grosse Lendenmuskel, auch Iliopsoas genannt, ist der tiefste Muskel im Körper. Er ist ein besonders wichtiger Muskel, weil er die obere und die untere Hälfte des Körpers zusammenhält. Der Iliopsoas entspringt an der unteren Brustwirbelsäule und verläuft an der Lendenwirbelsäule nach unten und überquert das Becken. Gemeinsam mit dem Darmbeinmuskel kleidet er die Innenseite der Beckenschaufeln aus und endet an einer Sehne des Oberschenkelknochens. Damit bildet der Psoas eine einzigartige Verbindung zwischen dem Oberkörper und den Beinen und hilft, die Stabilität beim aufrechten Stehen zu bewahren. Darüber hinaus ist der Psoas mit dem Zwerchfell verbunden. Diese Verbindung gibt jegliche Verspannungen oder Fehlfunktionen des Psoas an den Rumpf weiter und kann zu Verspannungen im Rücken und Schulterbereich führen.

Reginald A. Ray, ein Lehrer in der Praxis tibetischer Meditation Chögyam Trungpas, sagt, dass der Lendenmuskel letztendlich die Quelle des Egos sei. Er führt weiter an, dass es in der Arbeit mit dem Lendenmuskel zur Konfrontation mit den Themen Festhalten und Fixierung kommen kann. Die Lendenmuskeln gelten auch als die Kampf-Flucht-Muskeln des menschlichen Körpers. Wenn wir viel Spannung oder Stress in unserem Alltag haben, steht unser Psoas-Muskel unter zu viel Anspannung. In diesem Monat werden wir unseren Psoas-Muskel festhalten und loslassen, in dem wir ihn stärken, dehnen und entspannen.

Viel Glück!